"Vergnügen für alle"

Jaqueline und Erich Hochreiter empfangen die Wiesngäste auf ihrem Weißbierkarussell

G'mütlich geht's zu, am Standplatz zum Eingang der St. Pauls-Kirche, mit bestem Blick die Schaustellerstraße entlang bis aufs Riesenrad, in Hörweite von Schichtl, Autoskooter, Pitt's Todeswand und der Geisterbahn. Schön langsam dreht sich das Karussell in acht Minuten einmal um die eigene Achse. Dabei fängt es auch im Kopf angenehm an, sich zu drehen: während man nämlich das eine oder andere Weißbier beziehungsweise die eine oder andere "Damen-Weiße" (mit Holundersaft) zu sich nimmt.

Da kommen und gehen die Gäste aus aller Welt, man plaudert hier, man plaudert da, und dann zieht man weiter, die Schaustellerstraße entlang oder in eines der Zelte zu den reservierten Tischen. Und wenn nachher noch Zeit ist, kehrt man nochmal auf dem Weißbierkarussell ein. Denn da ist es luftig und lustig und man kriegt beim sanften Kreiseln ein Potpourri aus Wiesn-Eindrücken gratis mitgeliefert. Seit 17 Jahren stehen die Hochreiters mit ihrem Weißbierkarussell auf der Wiesn. Damals haben sie es eigens von einem Karussellbauer aus Dasing anfertigen lassen. Der nostalgische Touch ist volle Absicht. Vorbild war ein altes Pferdekarussell. "Ein kleines Weißbierkarussell gab 's damals schon auf der Wiesn", sagt Ericht Hochreiter. "Aber da konnte man nicht sitzen. Und war es wichtig, auch Sitzplätze zu haben." Eine gute Idee! So kann man gemütlich an der "Reling" oder an der runden Bar auf Barhockern sitzen und die ersten (oder letzten) Wiesneindrücke des Tages auf sich wirken lassen.

Hochreiters Weißbierkarussell besteht aus lauter Schnapszahlen: elf Meter hoch, elf Tonnen schwer, elf Meter Durchmesser. Es wird mit einem Elektromotor betrieben und von rund 1500 Lämpchen beleuchtet. Das Bier lagert außerhalb im Kühlwagen. Jedes der 50-Liter-Fässer muss per Hand hochgeschleppt werden. Das machen aber nicht die fünf Damen hinter der Bar, sondern die starken Männer von der Pfandrückgabe.

130 bis 150 Personen finden auf dem Karussell Platz - die können natürlich nicht alle sitzen. Damit es nicht übervoll werden kann, wacht je ein Security-Mann über die drei Eingänge. Klar, jeder möchte sich noch hochdrängeln, weil 's gar so schön ist. Musik darf auf dem Weißbierkarussell nicht gemacht werden. "Aber das macht nichts", sagt Erich Hochreiter. "Die Italiener singen sowieso ihre Arien!" Lustige Begebenheiten gibt es immer wieder. Unter anderem die, dass ältere Herrschaften fragen, wo man denn Fahrchips lösen könne...

Doch das Fahren ist hier völlig kostenlos, das gibt 's zum Weißbier dazu. "Unser Karussell ist ein richtiger Treffpunkt geworden", sagt Hochreiter. "Es ist auch ideal, um sich hier zu verabreden." Vor allem am jetzigen Standplatz.

Erich Hochreiter, der unterm Jahr den Kiosk am Riemer Badesee betreibt, ist ein echtes Wiesngewächs. "Ich bin mit der Wiesn aufgewachsen", sagt er. Seine Eltern sind bereits seit 1975 auf dem Oktoberfest vertreten, anfangs mit einer Wurstbraterei, seit 1980 mit der Haxnbraterei Hofbräuhaus. Hochreiters Bruder betreibt die "Bratwurst".
Die Wiesn ist für die ganze Familie der Höhepunkt des Jahres. Deshalb bringt sie nicht nur für die Gäste "Pleasure for all", wie ein Schild auf dem nostalgischen Gefährt besagt, sondern auch Vergnügen für die Inhaber selbst. Für einen echten Wiesn-Spross ist der Einsatz zwar harte Arbeit, aber auch eine besonders schöne.