Der Pfarrer fährt bei uns auch mit!

Martin Fuchs kümmert sich ums Seelenheil und genießt wilde Fahrgeschäfte.

Pfarrer Martin Fuchs, 50, ist seit 1. 9. 2004 Leiter der Katholischen Zirkus- und Schaustellerseelsorge. Zuvor hat er das Amt allerdings bereits 20 Jahre lang ehrenamtlich ausgeübt. Seine Liebe zum Schaustellerleben hat ihm seine Großmutter vererbt. Sie war Marktkauffrau und als solche auf vielen Volksfesten. Dort hat Martin Fuchs praktisch seine Kindheit verbracht. Die Wiesn liebt er ganz besonders.

Was machen Sie am liebsten auf der Wiesn?

Das Schönste ist immer noch, von einem Geschäft zum anderen zu gehen, die Leute besuchen, bei ihnen nachfragen, was Sache ist, wie es ihnen geht, was eine Seelsorge als erstes ausmacht. Das ist auf der Wiesn natürlich ein bisschen stressig, aus dem ganz einfachen Grund, weil hier sehr weite Wege zu gehen sind, weil eben sehr viele Leute da sind. So kann ich natürlich nur ein paar Besuche am Tag machen.

Haben die Leute denn überhaupt Zeit, etwas zu erzählen ?

Die sind im Stress, ja, aber das funktioniert schon. Die müssen ja sonst auch mehrere Sachen machen: Aufpassen, Kassieren....So ein paar Gedanken austauschen, was es für Neuigkeiten gibt, soviel Zeit ist schon, das zu erzählen.
Gibt es denn auch mal richtig ernste Probleme ?

Selbstverständlich. Aber die werden meistens vorangekündigt. Dann nehmen die sich auch mehr Zeit und wir gehen auch mal woanders hin.

Sie gehen ja auch privat sehr gerne auf einen Wiesn-Rundgang...

Das verbinde ich meist, denn ich bin ja nicht Besucher, sondern ich bin hier Gast. Das ist ein sehr wichtiger Unterschied. Die Besucher, das ist klar, die kommen her, um die Sachen zu genießen, die Schausteller sind da, weil sie davon leben, und ich bin bei den Schaustellern zu Gast. Wenn ich als Gast anklopfe, dann freuen sich die Schausteller auch, wenn ich mal Karussell fahre. Wenn sie sagen können: Der Pfarrer fährt bei uns auch mit, das ist immer schön.

Und Sie machen das ja auch ziemlich intensiv...

Ja. In früheren Tagen natürlich noch viel intensiver, mittlerweile merke ich doch, dass manches ein bisschen anstrengender wird und manche rasante Fahrt nicht gleich die nächste wieder herausfordert, sondern da braucht man eine kleine Regenerationsphase. Aber es stimmt, das Oktoberfest ist eine sehr schöne Sache, weil ich auch immer wieder Fahrgeschäfte ausprobieren und mich an frühere Zeiten erinnern kann.
Der Fünfer Looping ist eines Ihrer Lieblingsfahrgeschäfte...

Der Fünfer Looping ist eine sehr schöne Fahrt, ich fahre sehr gerne mit der Achterbahn. Erinnerungen an frühere Zeiten wecken eher die älteren Fahrgeschäfte, die Zugspitzbahn oder der Wellenflug. Einmal bin ich vier Stunden ununterbrochen mit dem Musik Express gefahren - das war allerdings 1979 am Ende meines Studiums. Draußen standen die Leute schon und haben Wetten abgeschlossen, wann ich endlich genug habe. Aber ich habe es genossen, vier Stunden lang im Kreis zu fahren. Ausgestiegen bin ich dann auch nur, weil ich keine Chips mehr hatte.

Wie lange wäre inzwischen das Längste, was Sie durchhalten würden ?

Das kann ich jetzt nicht sagen, denn das habe ich längere Zeit nicht ausprobiert. Aber auf Dauerfahrten lasse ich mich jetzt nicht mehr ein. Dafür probiere ich aber alle Fahrgeschäfte aus, auch die wilderen. Über Kopf macht mir auch nichts aus, man muss ja mitreden können, wenn wir die Geschäfte einweihen. Das ist für mich selbstverständlich.

Wie sieht sonst Ihr Alltag hier aus ?

Wie gesagt, ich besuche die Leute und bespreche mit Ihnen, was ansteht. Wenn ich in München bin, übernachte ich im Kloster der Dominikaner am Odeonsplatz bei Pater Paul, der sagt, da brauchst du in München kein anderes Quartier, so viel Platz haben wir schon, dass wir dich unterbringen. Mein Büro befindet sich in Bonn, ich bin aber viel unterwegs. Die Sache mit dem Wohnmobil, die ich mal ausprobiert habe, habe ich wieder aufgegeben. München und die Wiesn sind für mich schon ein spezieller Platz, wenn es auch mit großer Hektik verbunden ist, die hier einfach dazugehört.