Dienstlich im Fünfer Looping

20 Ingenieure des TÜV Süd sorgen für die Sicherheit der Fahrgeschäfte.

Rasante Fahrgeschäfte mit ausgefeilter Technik sorgen auf der Wiesn für das Vergnügen der Gäste. Doch wie wird die größtmögliche Sicherheit garantiert? Oktoberfest.de sprach mit Dr. Thomas Oberst vom TÜV SÜD.  TÜV SÜD ist seit 1929 jährlich in den beiden Wochen vor Beginn der Wiesn mit 20 Sachverständigen vor Ort und nimmt jedes Fahrgeschäft von der Krinoline bis zur Achterbahn genau unter die Lupe. Erst nach der erfolgreichen Abnahme darf der Startschuss fallen.

Kann der TÜV verhindern, dass auf den Wiesn-Fahrgeschäften Unfälle passieren?

Nein, wir können nicht verhindern, dass Unfälle passieren. Das liegt daran, dass die Unfallursachen häufig nicht in der Technik, sondern im Fehlverhalten der Fahrgäste zu suchen sind. Aber wir können natürlich alles dafür tun, dass die Wiesn-Fahrgeschäfte aus technischer Sicht das höchste erreichbare Maß an Sicherheit aufweisen.
Was genau ist wichtig für diese Sicherheit?

Dazu ist wichtig, dass die Fahrgeschäfte umfassend geprüft werden. Die Basis dafür bilden des Baurecht und die einschlägigen Normen. Auf dem Oktoberfest prüfen 20 Sachverständige von TÜV SÜD in der Aufbauwoche, also in der Woche vor dem Start, alle die Fahrgeschäfte auf Herz und Nieren. Dabei geht es um die Standsicherheit sowie um die Funktionssicherheit von mechanischen, hydraulischen und elektrischen Komponenten. . Für die Sicherheit im laufenden Betrieb sind die Schausteller verantwortlich, unsere Aufgabe ist mit der Abnahme vor dem Start des Oktoberfests beendet. Erstmalig haben wir dieses Jahr auf Initiative der Schaustellerverbände in der Woche vor dem Start noch eine ein Sensibilisierungsseminardurchgeführt.  Der Anlass für die zusätzliche Unterweisung waren zwei aktuelle Unfällen, die in den letzten Wochen in Bayern passiert sind.

Was wurde da gelernt?

Vor allem wurden die Schausteller noch einmal auf ihre Betreiberpflichten hingewiesen. Das reicht von der täglichen Kontrolle und Wartung des Fahrgeschäfts bis zur Unterweisung des Bedienpersonals. Hier geht es beispielsweise darum, ob Einschränkungen aufgrund des Alters oder aufgrund des Alkoholgenusses auch beachtet werden. Bei vielen Fahrgeschäften werden die Fahrgäste mit Bügeln gesichert. Auch wenn die Bügel inzwischen häufig automatisch schließen, muss das Personal dann noch mal durchgehen und den Sitz der Bügel kontrollieren. Das alles ist nicht neu für die Schausteller. Aber mit dem Seminar wurden sie noch einmal für die Bedeutung dieser Aufgaben sensibilisiert.
Die Technik ihres Fahrgeschäfts kennen die Schausteller also selbst so gut, dass sie sie überprüfen können?

Ja, das ist so. Die Schausteller sind die „Fachmänner“ für ihr Geschäft und sorgen mit entsprechenden Kontrollen und Wartungen für die Sicherheit im laufenden Betrieb.

Die technische Überprüfung am Beispiel einer Achterbahn. Was genau macht der Sachverständige da? Probefahren oder jede Schraube überprüfen?

Es ist tatsächlich so, dass er sich jede Schraube anschaut. Wir sind bereits beim Aufbau der Achterbahn dabei. Da geht es dann um die statische Sicherheit und um die Standsicherheit. Es geht darum, ob alles ordentlich gemäß den Plänen aufgebaut wird? Zudem wird natürlich die Funktion aller sicherheitsrelevanten Bauteile - also beispielsweise der Räder und Bremsen überprüft. Ein weitere wichtiger Punkt sind die Steuerungen. Moderne Fahrgeschäfte sind ohne Steuerelektronik überhaupt nicht mehr denkbar. Die Elektronik spielt auch eine ganz entscheidende Rolle für die Sicherheit der Fahrgäste. Es gibt Sensoren, die bei einer Störung das Fahrgeschäft zum Halten bringen und die Wagen oder Gondeln in eine sichere Position fahren. Der Schausteller kann die Störung in Ruhe beheben und die Fahrt dann wieder aufnehmen.
Fahren die Sachverständigen auch selbst Fünfer Looping oder lassen sie ihn nur alleine fahren?

Die Fahrt zum Abschluss der Prüfung ist fester Bestandteil. Da geht es auch darum, das Ergebnis der objektiven Prüfung  noch einmal subjektiv nachzuvollziehen. . Aufgrund der großen Erfahrung unserer Sachverständigen, die sehr viele Fahrgeschäfte kennen und gefahren sind, ist die Probefahrt ein sinnvoller Abschluss der Prüfung.

Sind alle 20 Sachverständigen Achterbahn-fest, können die alles fahren oder gibt es welche, die zum Beispiel nicht über Kopf fahren wollen?

Grundsätzlich können alle alles fahren. Es gibt aber durchaus ältere Kollegen, die bei bestimmten Fahrgeschäften den Jüngeren den Vortritt lassen. Es gibt aber auch ältere Kollegen, die durchaus sehr gerne die unruhigeren, herausfordernderen Fahrgeschäfte testen.

Was machen die Sachverständigen, wenn es keine Wiesn zu prüfen gibt?

Unsere Ingenieure führen beispielsweise so genannte Erstabnahmen bei neuen Fahrgeschäften durch und sind auch bei anderen Volksfesten und bei Freizeitparks im Einsatz. Das gilt übrigens nicht nur für Bayern oder Deutschland. Wir prüfen Fahrgeschäfte in den großen Freizeitparks in Europa in den USA, in Asien  und im nahen Osten.