Hufe einfetten und Mähnen shampoonieren

Die Kutscher und Fuhrknechte von Hacker-Pschorr haben einen schönen, aber anstrengenden Job.

Adam und Wastl, Moritz und Prinz sowie Fritz und Bruno sind allesamt echte Hengste. Um stolze Brauereipferde zu sein, die auf Anlässen wie der Wiesn bestehen können, müssen sie das auch, wie Kutschführer Thomas Stadler erklärt. "Die Hengste präsentieren sich besser." Da könne man kastrierte Wallache nicht gebrauchen. "Die Hengste halten den Kopf höher, sie ziehen auch besser." Sie sind eben stolzere Erscheinungen. "Männlicher halt", grinst Stadler.

Die sechs schwarzen Kaltblüter - schwarze Pferde sind bei Hacker-Pschorr Tradition - gehören allesamt dem Landwirt Wolfgang Leitner aus Irschenberg, dem ebenso das Gespann der Löwenbräu-Kutsche gehört. Auch das Team der Hacker-Pschorr-Kutsche, Thomas Stadler und seine beiden Praxen (Fuhrknechte) Markus Schlagbauer und Robert Mark stammen alle aus der Irschenberger Gegend. Stadler ist im sonstigen Leben Landwirt und Viehhändler, Schlagbauer arbeitet bei der Autobahn in Holzkirchen und Mark bei der Gemeinde Irschenberg.
Ihr angenehmer, aber oft auch anstrengender Nebenjob ist das Ausführen der Pferde zu feierlichen Anlässen. Dazu gehören unterm Jahr zahlreiche Leonhardi-Fahrten zu Ehren des Heiligen Leonhard, dem Patron der Tiere. Und dazu gehört die Wiesn, während der die Pferde im Circus Krone untergebracht sind. Die starken Tiere haben aber bei Leitner auch noch eine ganz unfeierliche Aufgabe: Sie werden zum Holzrücken eingesetzt. Doch das lieben die rund 1000 Kilo schweren Pferde.
"Ein Kaltblüter arbeitet gern," weiß Stadler. "Das liegt ihm im Blut." Und er hat auch von Natur aus ein sehr ruhiges Gemüt. Daher machen ihm Trubel und Menschenmengen nichts aus, das sind sie ja auch von klein auf gewöhnt. Beruhigungsmittel bekommen sie natürlich nicht. "Dann könnten sie ja nicht mehr ziehen, dann würden sie zu ruhig."
Auch die Kutscher und Praxen arbeiten gern. Sonst würden sie nicht jeden Wiesntag (außer Samstag, da dürfen die Pferde nicht aufs Gelände) um 5 Uhr aufstehen, nach München fahren und erst mal die Ställe ausmisten, die Felle striegeln und mit einem Staubsauger absaugen, die Mähnen vom Stroh säubern. "Vor allem das Staubsaugen mögen sie", wissen die Männer. "Das ist wie Buckelkratzen". Aber es gibt noch etwas Besseres: das Säubern mit dem Hochdruckreiniger. "Das taugt ihnen besonders", sagt Stadler. "Das ist wie Massage." Das gibt es aber nur, wenn sie besonders schmutzig sind, ebenso wie das Abwaschen mit heißem Wasser und  das Shampoonieren der Mähnen.
Bevor es dann auf die Wiesn geht, müssen aber erst noch alle Hufe ausgekratzt und mit Huffett eingeschmiert werden. Dann werden alle Hufeisen mit Silberbronze angestrichen, damit sie schön glänzen, und die Hufe selbst mit ebenfalls glänzendem Huffett eingepinselt. Dann kommt das Einspannen. "Da ist unser Rekord 23 Minuten!" verkünden die Männer stolz.
Auch das sehenswerte Geschirr, das die Pferde tragen, wird regelmäßig gepflegt, etwa mit einer Paste aus Glyzerin und Kokosnussöl eingerieben. Es lohnt sich, denn immer wieder hören die Kutscher, dass Hacker-Pschorr das schönste Geschirr habe. Bevor es dann auf die Wiesn geht, werden die Tiere noch "gewässert", das heißt, sie dürfen so viel trinken wie sie möchten. Das ist pro Pferd "zwischen zehn und 15 Litern", sagt Stadler. Dann wird der Stall gesäubert, die Kutscher waschen sich und ziehen ihr festliches Gewand an und los geht s. Auf der Wiesn halten sie natürlich nur vor Hacker Zelten, wechseln alle eineinhalb Stunden den Standort. Das sind mehrere kleine, das Hackerzelt und die Pschorr-Bräurosl.
Eine Selbstverständlichkeit ist, dass hier auch die Kutscher "gewässert" werden, mit Freibier soviel es sich mit der Arbeit verträgt. Schließlich sind sie täglich außer samstags von 12 bis 16 Uhr vor Ort.
Trotz dieser netten Nebensache, der Job ist "zaach", also anstrengend, wie die drei sagen. Besonders in der zweiten Woche wird es schwer, immer wieder dieselben Fragen zu beantworten: Was für eine Rasse ist das ? Woher kommen die ? Darf man sie streicheln ? Aber die Belohnung erwartet nach der erfolgreichen Wiesn Pferde und Männer. Die Pferde dürfen dann endlich wieder ihre Kraft beim Holzrücken ausleben oder auf der Weide stehen. Die Männer dürfen nach dem letzten Einsatz, natürlich in einem Hacker-Zelt, so richtig feiern. Dann dürfen sie auch mehr trinken als die ein, zwei Maß "im Dienst". Ganz so viel wie ihre Pferde schaffen sie jedoch nicht.