Immer weniger Kinder auf der Wiesn

Die Altschausteller Ludwig Krauss, 85, und Ilona Steininger erzählen von Ihren Wiesn-Erlebnissen.

"Schön ist es, auf der Welt zu sein. Und auf Reisen ist es noch schöner!" Das sagt Ludwig Krauss, 85, und dabei leuchten seine Augen hinter der Brille. Dabei ist er ja schon seit einigen Jahren nicht mehr wirklich "auf Reisen", sondern nur noch auf der Wiesn und auf dem Volksfest in Mühldorf. Doch die Erinnerung ist noch sehr lebendig und er möchte keinen Tag seines Schaustellerlebens missen. "Man erlebt so viel, wenn man unterwegs ist. Die unterschiedliche Atmosphäre in den verschiedenen Orten. Und man lernt Menschen kennen, die man sonst nie sehen würde."

Seit 48 Jahren hat Ludwig Krauss, 85, sein Kinderkarussell auf der Wiesn. Obwohl er ja bereits seit vielen Jahren "Rentner" ist, sitzt er dort noch täglich sechs Stunden lang an der Kasse. Unterstützt wird er von seiner einzigen Enkelin, der Anja. "Unser Goldkind!" sagt er. Auch sein Sohn ist seit 24 Jahren auf der Wiesn. Er hat einen Schießstand. Heute ist die Tätigkeit als Schausteller für Krauss senior nur noch "ein bisschen Zubrot". Und natürlich macht es ihm auch einfach Spaß.

Seinen Einstand in dieser Branche hatte Krauss 1948 auf dem "Herbstfest", wie die Wiesn in diesem Jahr genannt wurde. Zuvor hatte er mit der Schaustellerei nichts zu tun gehabt, war nur im Kriegseinsatz gewesen. Jetzt brauchte er Arbeit und heuerte bei einem Kettenflieger an. Nach einem Jahr wechselte er zur Firma Winter, die ein Kinderkarussell besaß. Zehn Jahre lang war er insgesamt Angestellter, dann kaufte er Leonhard Winter sein Kinderkarussell ab.

Der Geschmack der Kinder hat sich in all den Jahrzehnten nicht geändert, sagt Krauss. Früher wie heute liebten die Kleinen Traktoren und andere Fahrzeuge. "Man glaubt es kaum, aber vor allem die aus der Landwirtschaft", lacht Krauss. Was sich aber geändert habe: "Es gibt heute weniger Kinder auf der Wiesn." Wahrscheinlich, weil es insgesamt weniger Kinder gebe.

Trotzdem ist heute wie früher die Wiesn sehr wichtig für die Schausteller. "Sie sichert unsere Existenz", sagt Krauss.

Ilona Steininger besaß früher die Schiffsschaukel. Jetzt hat sie sich zurückgezogen, Sohn Josef hat das Geschäft übernommen. Auch sie beklagt den Rückgang der Kinder. "Die Technik ist die selbe geblieben. Aber das Geschäft ist nicht dasselbe geblieben." Die Erwachsenen schaukeln nicht, und Kinder gibt es zu wenige.