Peter Pongratz im Interview

2004 übernahmen Peter Pongratz und seine Frau Arabella das Winzerer Fähnd'l. Wir haben mit Peter Pongratz über die Wiesn gesprochen.

Welchen Bezug hatten Sie früher zum Oktoberfest?

Ich bin doch Münchner! Bin in der Lindwurmstrasse direkt am Goetheplatz aufgewachsen. Da war ich als Bub schon jeden Tag auf der Wiesn, hab
am Schießstand Bleikugeln aufgesammelt und mir damit mein Taschengeld aufgebessert.

Was wollen Sie als Festwirt besser als Ihre Vorgänger machen?

Besser geht nicht. Das Winzerer Fähnd'l wurde von der Familie Kreitmair bereits hervorragend geführt. Man kann nur versuchen, dem Ganzen einen
eigenen Touch mitzugeben und Dinge anders machen, aber nicht besser. Geändert wurden zum Beispiel viele Dinge am Zelt. Wir haben neue Toiletten, damit die Wartezeiten verkürzt werden. Das nennt man dann Entzerrung der Toilettensituation. Aber auch in der Küche wurde die Technik erneuert.

Wie wird man eigentlich Wiesnwirt?

Jedes Jahr wenn die Wiesn vorbei ist, kann man sich bei der Stadt München um dieses Amt bewerben. Man bewirbt sich also, muss dann von der Brauerei empfohlen werden und wenn man Glück hat, wird man von der Stadt genommen. Natürlich kommt es nicht so häufig vor, dass ein Zelt frei wird. Außerdem bewerben sich natürlich viele andere Wirte. Bei uns hats mit der Bewerbung erst beim 19. Mal hingehauen. Aber dafür sind wir jetzt ganz
narrisch aufd Wiesn.

Bruder Barnabas auf dem Oktoberfest. Fänden Sie das gut?

Auf der Wiesn ist mir unsere Band, die Nockherberger, lieber, der Bruder Barnabas gehört zum Derblecka aufn Nockherberg.
Die Wiesn heißt für Sie täglich 15 bis 17 Stunden Arbeit. Wie wollen Sie soviel Stress bewältigen?

Der Stress gehört halt einfach dazu. Da muss man durch. Aber nach der Wiesn gönne ich mir vielleicht ein paar Tage Urlaub und nehme mir Zeit für meine Frau und die Kinder, die jetzt im Oktoberfest Trubel schon zu kurz kommen.

tv.münchen sendet täglich live aus dem Winzerer Fähnd'l. Inwiefern werden Sie ins Programm integriert?

Da bin ich schon in den täglichen Ablauf eingeplant. Zum Beispiel überträgt tvm ein bayerisches Lexikon, bei dem ich Wörter erklären muss. Der Bayerische Rundfunk wird auch oft im Zelt filmen und auch ansonsten gibt es kaum einen Sender der nicht angefragt hätte wegen einer Drehgenehmigung.

Wieso ist die Wiesn selbst nach so langer Zeit noch erfolgreich?

Massen ziehen Massen an. Ich denke, wenn die Wiesn leer wäre, würde auch niemand hingehen. Zudem wird die Gastronomie immer besser und umfangreicher. Das zieht die Leute natürlich auch an.

Angenommen Sie hätten kein eigenes Zelt, in welchem wären Sie Gast?

Ich war schon immer im Winzerer Fähndl, gehe aber auch gerne ins Hacker Zelt oder die Pschorr Bräurosl. Das ist dann aber nicht so, dass man sagt ich geh jetzt in das Zelt, sondern man geht dorthin, weil man die Wirte ja alle kennt. Man besucht sich sozusagen untereinander.

Was ist so erstrebenswert daran Wiesnwirt zu werden?

Die Wiesn ist der Olymp! Das ist für einen Wirt, wie den Nobelpreis zu bekommen. Ich glaube, ein Zelt auf der Wiesn zu betreuen ist Ziel sämtlicher Wirte. Man ist für so viele Leute da, versorgt pro Tag eine ganze Stadt mit Essen und Getränken. Das ist Wahnsinn!

Worauf freuen Sie sich am meisten auf der Wiesn?

Den Wiesnwirte-Einzug. Das ist ein faszinierendes Erlebnis. Jeder jubelt einem zu und freut sich, dass das Oktoberfest endlich wieder anfängt.
Letztes Jahr durfte ich auf dem Wagen der Familie Kreitmair mitfahren. Das war wirklich toll.

Und zuletzt: Zuzeln oder schneiden?

In Viertel schneiden und dann schieben. Zuzeln mog i ned, des pappt so.