Pfarrer Schießler: Wiesn-Bedienung aus Leidenschaft

Weil er die Wiesn genauso von Herzen liebt wie seine Kirche findet man den Münchner Pfarrer Rainer Maria Schießler jedes Jahr wieder im Schottenhamel-Zelt. Mit Sicherheit ist er weltweit der erste und einzige Pfarrer, der dies tut und auch sein Engagement gegenüber den Kollegen ist rekordverdächtig. Denn er sorgt auch hier für die moralische Unterstützung.

Oktoberfest.de: Seit wann arbeiten Sie auf der Wiesn und was machen Sie dort?
Pfarrer Schießler: Im Jahr 2006 war ich auf einem Empfang der CSU und habe dort Herrn Schottenhamel kennengelernt. In diesem Kontext habe ich dann geäußert, dass ich auch einmal ganz gerne auf der Wiesn arbeiten würde. Seitdem bin ich Bedienung im Schottenhamel-Zelt und gleichzeitig auch Seelsorger für die Kollegen auf der Wiesn. Das ist ja meine hauptberufliche Tätigkeit.

Ich bin mit Sicherheit der erste Pfarrer, der als Wiesnbedienung arbeitet. Meine Nummer ist die Nr. 162 und ich bin immer im Garten vor dem Zelt.

Wie machen Sie das neben Ihrer normalen Arbeit?
Ich nehme mir extra frei dafür und arbeite in meinem Urlaub. Anders geht es gar nicht.

Wie gefällt Ihnen die Arbeit auf der Wiesn?
Ich liebe die Arbeit auf dem Oktoberfest. Es ist eine echte Sucht. Privat gehe ich nie dort hin. Da muss man mich schon zwingen dazu, aber die Arbeit auf der Wiesn ist das schönste und deswegen komme ich jedes Jahr wieder.

Wie gut sind Sie schon mit den Kollegen befreundet?
Es gibt ungefähr 400 Mitarbeiter, die ich regelmäßig am Einschreibungstag wiedersehe. Von denen kenne ich bereits alle, weil ich für sie eine moralische Unterstützung bin und auch als persönlicher Seelsorger für alle Kollegen bereit stehe.

Wie viele Maßkrüge tragen Sie denn?
Mittlerweile sind es sogar 14 Maßkrüge. 10 Krüge sind das Minimum. Die sind schon sehr schwer und am Abend schmerzt alles. Ich habe aber jetzt schon angefangen für diese Wiesn zu trainieren.

Was machen Sie mit Ihrem Wiesn-Verdienst?
Der Wiesnverdienst bringt mir persönlich nicht viel und daher habe ich überlegt, was ich denn noch damit machen kann. So bin ich auf Lotti Latrous gekommen, die in den Elendsvierteln von Abidjan ihre Centres d'Espoir eröffnet hat, Hilfseinrichtungen , in denen sie den Menschen in ihrem Elend hilft. Es ist für mich sehr wichtig, dass mein Geld für etwas sinnvolles da ist.