Schadenfreude macht lustig!

Im Teufelsrad darf man über sich selbst und andere lachen.

Unglaublich, wie hier die Zeit vergeht. Man meint, gerade erst gekommen zu sein, und doch sind schon ein paar Stunden vergangen. Oben auf dem Podium haben die Rekommandeure gewechselt. Franz Josef Fesenmayer ist gegangen, Ludwig "Wiggi" Kugler hat das Mikrophon übernommen. Und zum xten Male hört man: "Und jetzt alle Damen zwischen 16 und 90!" oder "Und jetzt die Kinder" oder "Und nun alle zwischen 40 und 99." Am wildesten geht es zu, wenn "alle Burschen" aufgefordert werden, sich auf die Drehscheibe in der Mitte zu begeben. Dann muss Wiggi Kugler dazusagen: "Aber nicht alle aufeinander springen!"
Klar, manchmal müssen die Rekommandeure im Teufelsrad etwas nachhelfen. Denn nicht jeder traut sich, sich möglicherweise zum Gespött der Zuschauer zu machen. Dann pickt sich der Mann am Mikrophon bestimmte Gäste heraus. "Du da, im roten Dirndl, auf geht's!" oder "Du da im grünen T-Shirt." Oder: "Hey, ihr da. Habt ihr Kinder?" "Nein." "Na, ihr werd's auch ned viele kriegen, wenn ihr immer Nein sagt!"
Nur ganz selten bleibt die anfängliche Weigerung bestehen, meistens geben die Auserwählten nach und setzen sich auf die Scheibe, das "Teufelsrad". Denn schließlich: Es macht ja einen Riesenspaß. Und ist in jedem Falle eine Reise zurück in die Kindheit. Egal, ob man in dieser bereits Gast hier war oder nicht. Das Drehen auf der tückischen, immer schneller werdenden Scheibe ist einfach ein wunderbar kindischer Spaß.
Ganz besonders natürlich für die Burschen, für die es eine Herausforderung ist, so lange wie möglich den Versuchen der Angestellten zu widerstehen, sie mit Hilfe von Seilen und mit dem von der Decke baumelnden Schaumstoffball von der Platte zu fegen. Da gibt es so manche Meister ihrer Zunft, die jubelnden Applaus der Menge ernten. Die meisten aber überlassen sich einfach der Schwerkraft und rutschen bei steigendem Tempo angenehm sanft von der Platte an die gepolsterte Umrandung.
Eine besonders köstliche Show ist das Hoolahoop der Mädels. Während langsam die Platte kreist, schwingen die Damen die Hüften und der Rekommandeur macht seine frechen Bemerkungen dazu: "Guad macht's des, ganz wie daheim!"
Der Lohn des Bauchkreisens ist die nächste Runde. Zu den sieben Mädels werden sieben Herren gebeten, die sich auf den Bauch legen müssen. "Jetzt sucht sich jede Dame einen Arsch aus und setzt sich drauf!" lautet die Anweisung von oben. Und "Ihr dürft's euch festhalten, wo ihr mögt, an den Ohrwascheln oder sonstwo."
Ein hübscher Ritt ist das im sich steigernden Tempo immer rundherum, bis alles Festhalten am starken Geschlecht nichts mehr nützt.
Ebenfalls ein Highlight, das zu Jubelstürmen und Lachsalven im Publikum führt, ist der Boxkampf. Zwei Männer mit weiblicher Schiedrichterin oder zwei Damen mit männlichem Schiedsrichter, die allesamt wundervoll über das drehende Rad stolpern. Und dabei noch bayerisch-derb, aber liebevoll vom Rekommandeur getratzt werden.
Die Scherze sind kleine Adrenalinstäße, aber niemals beleidigend. "Jeder Mo sucht sich ein Madel, es darf auch die Alte sein." oder "Da kann der Ball nichts mehr schaden, bei den Gesichtern." Genau der richtige Humor ist eine wichtige Eigenschaft für einen guten Teufelsrad-Rekommandeur, erklärt Ludwig Kugler, Neffe der Inhaberin Elisabeth Polaczy.
Was einen Teufelsrad-Rekommandeur noch ausmacht? "Er muss Bayer sein. Er muss das gesunde Maß zwischen den Bemerkungen über und unter der Gürtellinie erkennen, er darf nie verletzend sein. Und er muss die Menschen zum Mitmachen bewegen." Ludwig Kugler erfüllt alle diese Kriterien auch selbst. Seit 2004 steht er oben auf der Bühne und macht seine Bemerkungen. Hatte er anfangs Lampenfieber? "Nein, eigentlich nicht. Das Auftreten bin ich von meiner Tätigkeit in einer Jazzband gewohnt." Auch das "Dumm Daherreden" fiel ihm nicht schwer. "Es ist doch ein toller Job, bei dem man für so etwas bezahlt wird", lacht er.
Eine Bezahlung, die sich durchaus auszahlt ! Denn ein Teufelsrad steht und fällt mit den Fähigkeiten der Rekommandeure, weiß Kugler. "Kein Wunder, dass alle anderen Teufelsräder auf der Wiesn eingegangen sind. " Vor 30 bis 40 Jahren soll es noch sechs Stück gegeben haben. Die meisten hatten aber entweder gar keinen oder einen schlechten Rekommandeur. Als einziges überlebte Feldls Teufelsrad.
50 Jahre lang gehörte das Traditionsgeschäft Betty Feldl. Bis ins hohe Alter hinein saß sie an der Kasse. 2002 starb sie im Alter von 94 Jahren. Da sie keine Nachkommen hatte, vererbte sie das Teufelsrad an Elisabeth Polaczys Tante. Diese starb jedoch ebenfalls nach zwei Jahren, so dass die heutigen Besitzer nachfolgten. Sie führen das Geschäft in der guten alten Weise weiter. Nicht nur das Teufelsrad selbst ist immer noch genau das gleiche (es wurde im Jahr 1974 zuletzt generalüberholt), auch an der Wand hängen dieselben Schilder - und viele Sprüche ähneln denen, die noch zu Feldls Zeiten den Zuschauern mitgegeben wurden.
Was die Menschen am Teufelsrad reizt?
"Die Schadenfreude", sagt Kugler, "und die Einfachheit. Und der günstige Preis." Für nur 3 Euro Eintritt kann man hier den ganzen Tag verbringen, was auch viele Menschen tun. Erst kürzlich erzählte ein Vater, der mit seiner Tochter da war, dass er insgesamt sechs Stunden mit der Neunjährigen in dem Geschäft verbracht hat. Für die Kinderfahrten gibt es natürlich einen eigenen Humor, etwa "So Kinder, jetzt kommt unser Oma-Bussi. Der Ball ist genauso weich wie ein Bussi von der Oma..."
Ein bisschen getratzt werden und auch über sich selbst lachen - das ist das Geheimnis des seit 1908 auf der Wiesn stehenden Teufelsrads.

"Lachst du gerne, nimm den guten Rat, und geh in Feldls Teufelsrad."
(Schild im Zuschauerraum)