Wohnen an der Wiesn - Wunderbar

Harris Kahriz, Rentner und Hausmeister in der Beethovenstraße, kann nicht schlafen, wenn der Lärm der Wiesn plötzlich aufhört. "Es ist komisch", erzählt er. "Wenn es losgeht, gewöhne ich mich total schnell daran. Aber wenn die Geräusche dann plötzlich weg sind, fehlen sie mir!".

Nur 50 Meter wohnt Kahriz mit seiner Familie vom Rand der Theresienwiese entfernt. Und alle lieben das! Vor allem natürlich die 20jährige Tochter und die Enkel im Alter von 13 und 10 Jahren. Dass der Opa aber auch so eine tolle Wohnung hat! Um einen Besuch braucht man während der 16 Tage nicht zu betteln, ganz im Gegenteil. "Und jedes Mal testet er, wie viel ich wohl rausrücke", lacht Kahriz über seinen gewieften Enkelsohn. So sehr, wie der Opa selbst das größte Volksfest der Welt in seiner Nachbarschaft liebt, dürfte das "Wiesngeld" nicht wenig sein.

Seit 38 Jahren ist Familie Kahriz schon regelmäßig auf dem Oktoberfest zu finden. "Hier ist meine Heimat", sagt der Bosnier. Auch am Tag des Bombenattentats war Kahriz, damals mit seiner 6-jährigen Tochter an der Hand, vor Ort. "Wir waren nur ein Stück entfernt und kurz vorher am Haupteingang vorbeigegangen", erinnert er sich. Nur zehn Minuten machten den Unterschied. Doch heute überwiegen die guten Erinnerungen längst.

Wenn das Getümmel losgeht, geht Kahriz jeden Tag rüber. Allerdings kann er nicht mehr wie in jungen Jahren jedes Mal eine Maß Bier trinken. So oft wie möglich aber lässt er sich schon in einem Biergarten nieder. Auch jetzt ist der Anwohner jeden Tag vor Ort. Gemeinsam mit Hund Micky streift er über die Baustelle und die beiden "kennt schon jeder", sagt Kahriz. Gerne plaudert er mit den Kranfahrern, denn diesen Beruf hat er auch einmal ausgeübt. "Manchmal sind wir 15 mal am Tag hier!" lacht der Mann und er hat sich nicht versprochen. Fünfzehn Mal!

Auch am ersten Tag wird er dabei sein. "Sowieso!" Er freut sich auf Menschenmassen, Gekreische von den Achterbahnen, Lichtermeer, Passantenströme unter seinem Balkon. Auf ausländische Stimmen, Lachen, Freuen, auf das Getümmel aus sechs Millionen Menschen, den Geruch von Hendln und Zuckerwatte, auf die ganze Verrücktheit. Das sieht man seinen Augen jetzt schon an. "Ich bin nicht gern allein", lacht er. Das erklärt doch schließlich alles.