Anwohner klagen über Lärm und Schmutz

Für manche die zwei schönsten Wochen des Jahres, für andere Grund zur Flucht: Für Anwohner der Theresienwiese ist das Oktoberfest oft kein Spaß. Nun soll die Stadt mit einer Prämie für Ausgleich sorgen.

Gerade mit der ein oder anderen Maß in Kopf und Körper sinken bei so manchem Wiesn-Besucher die Hemmschwellen und die gute Kinderstube gerät mal kurz in Vergessenheit. Die Anwohner rund um das Oktoberfest können ein Lied davon singen – allerdings kein freudiges. Würde man sich über einen Wildbiesler hier oder ein nächtliches Ständchen dort nicht beschweren, klagt man rund um das Oktoberfest inzwischen über grausige Zustände.

Jedes Jahr auf's Neue wird in Gruppen in Vorgärten uriniert, sich erbrochen oder auch mal in Innenhöfen und Hauseingängen übernachtet, teilweise sogar mit Schlafsack.
Dies ist für die Anwohner nicht nur ärgerlich, sondern auch teuer. Teilweise täglich sind in Wohnanlagen Hausmeister und Anwohner über Stunden damit beschäftigt, die unappetitlichen Hinterlassenschaften aus der vergangenen Nacht zu beseitigen. Deswegen erläuterten einige Anwohner, man wolle zukünftig entsprechende Forderungen an die Stadt München richten, zumindest für die anfallenden Reparatur- und Reinigungs-Kosten aufzukommen. Nicht pauschal, sondern jeweils mit Nachweis und bis zu einer Höhe von 500€.

Bei der Stadt München sieht man das freilich anders. Demnach wurde bereits viel getan, um die Auswirkungen auf die Anwohner so gering wie möglich zu halten und außerdem wäre die Stadt München ja nicht der Verursacher der Beschädigungen und Verschmutzungen.

Wir haben uns mit Anwohner Alex N. unterhalten, wie er die zwei Wochen Oktoberfest erlebt.

Oktoberfest.de:
Wie wohnt es sich so neben der Theresienwiese?

Alex N.:
Eigentlich wunderbar. Frühlingsfest und dergleichen sind kein Problem. Aber zur Oktoberfestzeit ist das hier kein Vergnügen.

Oktoberfest.de:
Warum?

Alex N.:
Aus mehreren Gründen: Es wird immer lauter. Nicht nur wenn das Oktoberfest zusperrt, ziehen da die plärrenden Horden vorbei, inzwischen kommen viele der Besucher ja schon besoffen. Und dann wird in den Vorgarten gepinkelt und wer zu viel erwischt hat erbricht sich dann auch gerne mal. Das ist am nächsten Tag dann kein schöner Anblick, wenn man am Morgen das Haus verlässt.

Oktoberfest.de:
Was kann man dagegen tun?

Alex N.:
Vermutlich nichts. Viele Hausbewohner ergreifen zur Wiesnzeit einfach die Flucht und fahren in den Urlaub.

Oktoberfest.de:
Im Raum steht, dass man die Kosten für die Reinigungsarbeiten an die Stadt weitergeben möchte.

Alex N.:
Das wäre wohl nur fair. Die Stadt oder die Wirte könnten sich zumindest an den Kosten beteiligen.

Oktoberfest.de:
Geht man als Anwohner noch auf das Oktoberfest?
Alex N.:
Ein oder zwei Mal schon. Es ist ja nicht so, als würde jeder hier das Oktoberfest an sich ablehnen, nur die ein oder andere Begleiterscheinung ist halt ärgerlich.

Oktoberfest.de:
Was denn zum Beispiel noch?

Alex N.:
Die Sicherheitskontrollen sind auch so ein Punkt. Wenn ich zur Wiesnzeit mit dem Auto fahre werde ich als Anwohner bis zu zwei Mal pro Fahrt kontrolliert. Mit Hund und Spiegel für unter dem Auto. Das komplette Programm. Das kostet jedes Mal richtig Zeit und nervt gewaltig, ist aber wohl auch nicht zu ändern.