Das Wiesn-Fundbüro

Oft die letzte Hoffnung, immer aber für eine kuriose Geschichte gut: Das Wiesn-Fundbüro

Beim Blick in die Schubladen mit den Handys lacht Martin Messinger. "Wir wissen immer, was Trend ist und wie sich der Markt verändert," erläutert der Schichtleiter im Münchner Wiesn-Fundbüro. 333 Telefone hat er momentan im Angebot. Die Mehrzahl mit dem Apfel im Logo. Und manche bis zur Unkenntlichkeit zertrümmert. "Daran ist der 'Rocket Tower' Schuld. Da fallen den Leuten die Handys reihenweise aus den Taschen", sagt Messinger über das Fahrgeschäft.

Im Untergeschoss des Servicezentrums hinter dem Schottenhamel-Festzelt warten rund 3.500 verloren gegangene oder gestohlene Gegenstände auf ihre Besitzer. Im Zwei-Schichtbetrieb kümmert sich Fundbüro-Chefin Sabine Eisenhauer mit ihrem Team um die Findelkinder. Zahlenmäßige Spitzenreiter sind in diesem Jahr die Geldbörsen. "Die gehen normalerweise nicht verloren, die werden geklaut." Die Diebe entnehmen das Geld und werfen die Börse dann einfach weg. Über 400 Geldbeutel teilen in diesem Jahr dieses Schicksal. "Oft sind die Leute ziemlich verzweifelt", weiß Maik Müller, stellvertretender Leiter des Fundbüros. Da sei dann Menschenkenntnis und Einfühlungsvermögen gefragt. "Wenn wir weiterhelfen konnten, dann gibt's zum Dank manchmal sogar ein Bussi".

Ab Februar Versteigerungen

Ein Geräusch aus alten Zeiten dringt aus dem Hinterzimmer. Egal ob Brille, Jacke oder Taschenmesser, alles wird ordentlich verzeichnet und erfasst - per Schreibmaschine. Die braucht keine Datenleitungen. Computer haben hier noch keinen Einzug gehalten. Tablets und Laptops liegen dafür fest verschlossen im Schrank. "Vielleicht dachten sich die Besitzer, dass es sich mit einer Maß auf einer Bierbank leichter arbeiten lässt", schüttelt Müller den Kopf. In zum Teil akribischer Kleinarbeit versuchen seine rund 20 Mitarbeiter die Besitzer der Gegenstände zu ermitteln. Ist die Adresse bekannt, gibt es Post vom Fundbüro. Bei Handys wird eng mit den Providern zusammengearbeitet. Bleibt der Besitzer unbekannt und meldet sich bis zum 1. Februar eines jeden Jahres nicht im Fundbüro in der Oetztaler Straße, werden die verbliebenen Wiesn-Fundsachen versteigert.

700 Jacken füllen die aus allen Nähten platzenden Schränke. Dagegen ist das Sonnenbrillenfach mit rund 200 Exemplaren relativ leer. Die Fundstücke spiegeln deutlich die Wetterbedingungen der Festwochen wieder. Tiere wurden in diesem Jahr noch nicht verloren. Ein kleiner Käfig steht aber immer bereit. "Einmal wurde ein Wandelndes Blatt abgegeben. Zum Glück kam der Besitzer rechtzeitig, so dass wir uns nicht über die Fressgewohnheiten dieses Insekts den Kopf zerbrechen mussten", berichtet Martin Messinger.

Ein verlorener Ehering

Wer einen verlorenen Gegenstand im Fundbüro abholen möchte, muss nachweisen können, dass er ihm auch wirklich gehört. Bei Schlüsseln muss ein Vergleichsstück vorgelegt werden. Manchmal ist laut Messinger auch das geschulte Auge der Mitarbeiter gefragt: "Einmal kam eine Frau, die nach etwas suchte. Als sie ging, wunderte ich mich, dass sie in kurzer Zeit so viel zugenommen hatte. Die hatte tatsächlich drei Jacken mitgehen lassen." Ein Fall für die Polizei.

Kein Fall für die Justiz sollte ein verlorener Ehering werden. Maik Müllers Appell an die betroffenen Eheleute: "Lasst euch nicht gleich scheiden. Schaut lieber erst mal bei uns vorbei. Das ist billiger!" Nach dem diesjährigen Oktoberfest hat das Wiesn-Fundbüro noch bis zum 10. Oktober geöffnet. Danach werden die Fundsachen ins Büro in der Ötztaler Straße gebracht.

Quelle: dapd

Die wichtigsten Fakten zum Oktoberfest-Fundbüro und wo Sie verlorenen Sachen auch nach der Wiesn wiederbekommen, gibt es auf unserer Infoseite.