Der Massenpanik vorbeugen

Die Massenpanik von der Duisburger Loveparade forderte 21 Tote und erschütterte die ganze Welt. Nun berührt die Debatte um die Gefahr von Massenveranstaltungen auch das Oktoberfest. Wie vermeidet München das Schlimmste?

Trotz der 6 Millionen Besucher, die jährlich auf das Festgelände strömen, gab es auf dem Münchner Oktoberfest noch keinen Vorfall von Massenpanik. Dies liege an dem bewährten Sicherheitskonzept, das Jahr für Jahr fortgeschrieben werde, sagte Münchner Kreisverwaltungsreferent Blume-Beyerle am Montag der Nachrichtenagentur dpa. „Aber man kann nie ausschließen, dass etwas passiert - Unvorhergesehenes ist immer möglich.“

Ungefährlich sind Massenveranstaltungen grundsätzlich nicht, aber die Situation von Duisburg könne nicht mit der in München verglichen werden. Die Theresienwiese ist ein zu allen Seiten offenes Gelände, das man jeder Zeit wieder verlassen kann. Selbst bei schönem Wetter seien außerdem nicht mehr als eine Million Gäste, die sich über den ganzen Tag verteilen, zu erwarten. In Duisburg waren es 1,4 Millionen zum selben Zeitpunkt.

Das Sicherheitskonzept des Oktoberfest basiert auf Jahrzehnte langer Erfahrung und wird jedes Jahr neu überarbeitet. Videoüberwachung von Problemzonen, Sperringe rund um die Wiesn oder laufende Erhöhung des Ordnerpersonals sind nur wenige der vielen Sicherheitsneuerungen der letzten Jahre.

Besonders kritisch wird es am Wochenende in den Bierzelten und im U-Bahnhof Theresienwiese. Hier hilft das daumendicke Sicherheitskonzept, das Münchner KVR, Polizei, Feuerwehr und Katastrophenschutz zusammen ausgearbeitet haben. Polizeisprecher Wolfgang Wenners Devise lautet: Massenandrang beobachten und notfalls schnell reagieren.

Auch wenn betrunkene Besucher meist stark protestieren, werden Zelte und auch U-Bahnhöfe bereits geschlossen, bevor sie komplett überfüllt sind. Fahrgäste dürfen dann nur schubweise aus den U-Bahnen ein- und aussteigen. Eine große Anzahl an Ordnern mit nachgewiesener Ausbildung und ein ausgearbeitetes Kommunikationskonzept muss jeder Wiesn-Wirt für sein Bierzelt nachweisen können.

Und was, wenn doch etwas passiert? Dann werde nach dem MANV-Konzept (Massenanfall von Verletzten) gearbeitet, so Blume-Beyerle. Die Unterteilung in Verletzungsgrade kann so die Hilfeleistung optimieren. Rund um die Theresienwiese hat die Feuerwehr einen Rettungsring mit Behandlungsplätzen und 2010 ganz neu ein Feldlazarett auf dem Bavariaring. Die Rettungswege werden jedes Jahr optimiert. München ist also vorbereitet – hoffen wir, dass MANV dennoch nie zum Einsatz kommen muss.