Die Wiesn ohne Bier?

Auf dem Oktoberfest wurde nicht von Anfang an Bier ausgeschenkt.

Natürlich gab es auch 1810 schon etwas zu trinken - aber nicht auf dem Gebiet der Wiesn, sondern auf der Sendlinger Anhöhe.

Später ließ die Stadtverwaltung dann auch den Bierverkauf auf der Theresienwiese zu, was dazu führte, dass immer mehr roh gezimmerte Bretterbuden den Platz übersäten.

Zunächst aßen und tranken die Wiesnbesucher also im Freien, aber die Zahl und Größe der Bierbuden nahm ständig zu. Außerdem waren die Wirte zunächst auch Schausteller: Ihre Bierbuden nahmen Kegelbahnen oder Kletterbäume für die Jugend auf und boten weitere Attraktionen wie große Tanzflächen.

Ende des 19. Jahrhunderts wurden aus den Buden dann Bierhallen, und die zusätzlichen Attraktionen wurden ausgegliedert, um mehr Sitzplätzen und schließlich auch Musikkapellen Platz zu machen.

Auf dem Weg zum größten Volksfest der Welt


Ab 1880 gab’s was zu schauen: Das elektrische Licht hielt Einzug auf der Wiesn. 400 Buden und Zelte wurden beleuchtet und sorgten für das typische Wiesnbild bei Nacht. Bei der nächsten Neuerung teilte sich eher die Begeisterung: Die erste Maß aus Glas feierte 1892 ihren Einzug bei der Wiesn. Viele Traditionalisten hielten fest am steinernen Maßkrug.

Da München früher wesentlich kleiner war, zogen die Wirte und Veranstalter zu Beginn "hinaus" auf die Wiesn. Diese Tradition findet sich heute im Einzug der Wiesnwirte am Samstagvormittag wieder.

Erst 1950 führte Oberbürgermeister Thomas Wimmer eine allseits bekannte Tradition ein: Er sticht am ersten Wiesn-Samstag um 12.00 Uhr das erste Fass Bier an und ruft "O'zapft is'!". Seitdem lässt sich kein Stadtherr mehr das Anzapfen nehmen.

Doch die Wiesn hat auch ihre dunklen Seite: Bei einem Bombenanschlag starben 1980 am Haupteingang 13 Festbesucher, über 200 wurden zum Teil schwer verletzt. 24mal ist die Wiesn übrigens schon ausgefallen.