Wiesn-Rekorde und Obskures

Staunen und schmunzeln Sie über Statistiken, die es wohl nur auf dem Oktoberfest gibt:

100 Jahre Wiesn und soviel Bier wie nie zuvor: 1910 gab es wieder Grund zum ausgiebigen Trinken, die Wiesn feiert ihren 100. Geburtstag. Grund genug den ersten Bierrekord aufzustellen. 12.000 Hektoliter Bier wechselten bei diesem Oktoberfest ihren Besitzer.

Die längste Pause:
In den Jahren 1939 bis 1948 fand kein Oktoberfest statt – 10 Jahre lang keine Wiesn! Zunächst lief wegen des Zweiten Weltkriegs gar nichts, dann Ende der 40er Jahre nur das kleinere "Herbstfest" als Ersatz.

Die meisten Besucher gab es zu einer Jubiläums-Wiesn: Etwa 7,1 Millionen Menschen besuchten das Oktoberfest im Jahr 1985. Warum Jubiläums-Wiesn? Wegen der 24 ausgefallenen Feste war das Oktoberfest von 1985 zwar nur das 151. – die Veranstaltung selbst gab es dann aber genau seit 175 Jahren.

Der Wiesn-Besucher Karl Sorg hat sich von 1960 bis 1983 jedes Jahr beim "Fotoschießen" selbst porträtiert–mit dem Gewehr sozusagen: Bei einem Treffer wird an dieser Schießbude ein Foto des Schützen gemacht.

Seltsam, seltsam: Sowohl das 25. Oktoberfest-Jubiläum 1835 und dann natürlich auch die Jubiläumsjahre 1910 (100 Jahre Wiesn) und 1985 (175 Jahre) fallen mit dem Auftauchen des Halleyschen Kometen zusammen.

Lauter Achten:
Im Jahr 1908 präsentierte Carl Gabriel im Münchner Ausstellungspark die erste Achterbahn Deutschlands, im Jahr darauf Max Stehbeck die erste transportable „Figur-8-Bahn“ auf dem Oktoberfest.

Im Jahr 1880 bewarb sich ein Schausteller mit einer gelehrten Hundefamilie für das Oktoberfest. Die Astrachen-Spitze konnten angeblich nicht nur Karten spielen und tanzen, sondern erkannten auch auf Fotografien sämtliche Regenten Europas. Und welcher Hund kann das heute noch von sich behaupten?

Entsetzliches Saufen kommt auf dem Oktoberfest eher selten vor; ein Fall aus dem Jahr 1901 ist allerdings verbrieft. An die Herren I. und M. Hager wurde damals in der Bierbude Lang ein Diplom für das Trinken von zehn Maß verliehen. Wir denken: Zehn pro Person – fünf Maß pro Mann wären ja lächerlich. Das schafften zu dieser Zeit wohl selbst Kleinkinder, wie Sie gleich sehen werden.

Trinken bis zur Geschlechtsumwandlung:
Auf alten Postkarten zur Wiesn wurden gerne auch Bier trinkende Kinder dargestellt – nicht nur das berühmte Münchner Kindl, sondern auch andere Kleinkinder. Ersteres war übrigens bis in die Dreißigerjahre männlich, dann wurde es zum Mädchen. Offensichtlich war die Medizin damals doch fortschrittlicher als allgemein angenommen.
Ein urbayerischer Trinkspruch stammt wohl doch nicht aus München, sondern eher aus dem... Nordosten Bayerns. Das berühmte "Ein Prosit der Gemütlichkeit" mit seinem "Eins, Zwei, Drei – Gsuffa!" hat ein Herr Bernhard Dittrich aus Chemnitz verfasst. Auf der Wiesn ist es spätestens 1912 etabliert, wie ein Besucher damals angewidert feststellte.

Der Anstich, also das Öffnen des ersten Bierfasses auf dem Oktoberfest, ist eine Tradition - allerdings eine eher junge: Im Jahr 1950 begründete sie der damalige Oberbürgermeister Thomas Wimmer. Und seitdem hat jeder seiner Nachfolger vor dem Anstich wohl mehr Angst als vor dem Wahltag, denn an der Anzahl der benötigten Schläge hängt das Ansehen des „OB“.
Der ehemalige Amtsinhaber Christian Ude benötigte bei seinem ersten Mal Anzapfen ganze 7 Schläge, worüber sich so mancher im Rathaus köstlich amüsierte. Doch Ude übte fleißig, lernte die richtige Technik und stellte dann mit nur zwei Schlägen sogar einen neuen Rekord auf.
Sein Nachfolger Dieter Reiter hat sich von seinem Vorgänger in Sachen Technik vielleicht etwas abgeschaut, er benötigte bei seiner Premiere nur 4 Schläge.

Das größte Wiesn-Bierzelt aller Zeiten war das Pschorr-Bräu-Rosl-Zelt von 1913, das mit seinen 5.500 Quadratmetern etwa 12.000 Gästen Platz bot. Heute ist die Hofbräu-Festhalle mit ungefähr 10.000 Plätzen das größte Zelt.