Wiese, Wiesen, Wies'n oder Wiesn?

Zugegeben: Für Nicht-Bayern ist es oft nicht einfach, sich sprachlich unfallfrei durch das Oktoberfest zu navigieren. Deshalb hier ein paar der häufigsten Sprach-Havarien, die Sie vermeiden sollten.

Zu allererst einmal geht der Münchner auf die "Wiesn", nicht auf die "Wiese" und auch nicht auf die "Wiesen". Auch ein Apostroph ("Wies'n") hat da nichts verloren. Es handelt sich dabei um den bairischen Singular. Offiziell heißt das Gelände übrigens "Theresienwiese", benannt nach Therese von Sachsen-Hildburghausen, anlässlich deren Hochzeit mit Kronprinz Ludwig 1810 an dieser Stelle ein Pferderennen abgehalten wurde. Hier irrt sogar mal das allwissende Google, bei dem das Gelände als "Theresienwiesen" in den Landkarten zu finden ist.

Auf der Wiesn trinkt der Bayer dann eine Maß mit "ß". Alle anderen, teils abenteuerlichen, Schreibweisen von "Mass" über "Maaß" bis "Maas" sind schlicht und ergreifend falsch. Ausgesprochen wird die Maß so, dass sie sich auf "Fass" reimt, also mit einem kurzen "a" in der Mitte und sie ist immer weiblich.

Zum Bier gibt es dann auch gerne mal eine Brezn. Und weil eine ordentliche Wiesnbrezn mit Bier im Notfall auch mal eine Mahlzeit ersetzen kann, sollte man auch von der Verniedlichung "Brezl" absehen. Auch hier findet man keinen Apostroph, also bitte nicht "Brez'n" oder "Brez'l" schreiben. Die Aussprache ist für Nicht-Bayern eventuell schwierig, denn das "r" gehört schön weich gerollt, was nicht jeder kann.

Zuhause ist der Münchner übrigens in "Minga". So nennt man die Bayerische Landeshauptstadt im Dialekt. Oft wird aus dem "ch" in München auch ein "sch", so dass sich der Stadtname ausgesprochen wie "Münschn" anhört. Sollten Sie sich da zu unsicher sein, bleiben Sie einfach beim konventionellen "München".

Sollten Sie sich übrigens wundern, warum hier manchmal "bayerisch" und dann wieder "bairisch" steht: "Bayerisch" bezeichnet man etwas das in Bayern ist oder aus Bayern kommt. "Bairisch" ist die Sprache.

Auf der Wiesn wird dann durch den Oberbürgermeister traditionell am Samstagmittag "ozapft". Das kommt zwar von "angezapft", ein "g" gibt es "ozapft" aber nicht und Stilblüten wie "ogezapft" sind tunlichst zu vermeiden.

Mit der bairischen Zählweise kann man sich im Bierzelt ebenfalls vertraut machen. Zumindest bis zur Drei, denn soweit reicht das allseits bekannte Kommando, das regelmäßig von der Band ans Feiervolk geht: "Oans, zwoa, drei gsuffa!" heißt es da: "Eins, zwei, drei, getrunken!".

Zum Thema Bierzeltkultur gibt es auch noch zu beachten, dass das beliebte Trinklied, das dem "Oans, zwoa, drei, gsuffa!" vorausgeht zwar "Ein Prosit der Gemütlichkeit" heißt, beim anstoßen selbst dann aber "Prost!" und nicht "Prosit!" gesagt wird.