Die Oide Wiesn - alles andere als ein alter Hut

Die Oldtimer unter den Schaustellern sorgen noch heute für Riesenspaß auf der Oidn Wiesn

Gemeinhin ist es unhöflich, wenn man „ältere Semester“ nach ihrem Alter fragt. Doch bei den nostalgischen Fahrgeschäften auf der Oidn Wiesn ist es genau umgekehrt: je älter, desto attraktiver - hier entdecken Sie Schätze aus jener Zeit, in der noch das Bayrische Königshaus zum Oktoberfest einlud. Ein Bummel über die Oidn Wiesn, mit ihren nostalgischen Fahrgeschäften und Buden, erwärmt das Herz eines jeden Besuchers. Zur Oidn Wiesn werden die rund 100-jährigen Schätze der Oktoberfest-Geschichte fein rausgeputzt. Da wird gereinigt, gemalert, gebastelt und auf Hochglanz poliert, bis sie da stehen wie anno dazumal. Wir stellen Ihnen hier ein paar Schaustellerbetriebe und Fahrgeschäfte vor, die längst noch nicht zum alten Eisen gehören.

Platz 1: Runter mit dem Zylinder (1910)

Die Wurfbude ist der Methusalem auf dem Oktoberfest, sorgt jedoch noch immer für große Unterhaltung bei Alt und Jung. Bei „Runter mit dem Zylinder!“ ist besondere Treffsicherheit gefragt, mit einem Lederball gilt es die Zylinderhüte von den auf- und abtauchenden Holzköpfen zu werfen - ein Vergnügen, das leichter aussieht als es tatsächlich ist. Die Original-Köpfe sind trotz zahlreicher Treffer in über 100 Jahren immer noch gut erhalten und im Münchner Stadtmuseum zu bestaunen. „Runter mit dem Zylinder“ gibt es nur noch auf der Oidn Wiesn, da Original-Köpfe und Bude nicht mehr reisefähig sind.

Platz 2: Schiffschaukel im Museumszelt (1925)

Die Schiffschaukel ist ein Fahrgeschäft, bei dem der Fahrgast sich noch selber bemühen und mit gezieltem Körpereinsatz Fahrt aufnehmen muss. Hier machen die feschen Männer beim Schwungholen mächtig Eindruck auf ihre auserwählten Mädels – geht es doch um Körpereinsatz, Koordination und Mut. Vor allem beim Überschwung zeigt sich die Damenwelt noch heute tief beeindruckt von den Herren. Die ersten Schiffschaukeln tauchten um 1890 auf Volksfesten auf, die wunderschöne Schiffschaukel aus dem Museumszelt stammt aus dem Jahre 1925. Durch liebevolle Pflege und ständige Restauration blitzt und blinkt sie heute noch wie damals.
 

Platz 3: Raupenbahn (1926)

Ein wunderbares Fahrgeschäft, das sich seit jeher bestens zum Anbandeln eignet. Die Raupenbahn dreht ihre Runden so schnell, dass die Insassen aneinander gedrückt werden - der ideale Zeitpunkt auf der Wiesn, um den männlichen Arm um sein Mädchen zu legen. Während der Fahrt stülpt sich zudem ein Dach über die Gondeln, so dass die Weiterfahrt im Dunkeln stattfindet. Nicht wenige der älteren Generation erinnern sich hier gerne an den ersten Kuss, weshalb die Raupenbahn im Volksmund auch „Knutsch-Bahn“ gerufen wird. Seit 1926 raupt die Raupenbahn über das Oktoberfest, seit 50 Jahren ist sie im Besitz der Schaustellerfamilie Buchholz. Ein stolzes Alter und ein glücklicher Eigentümer, die Bahn ist noch zu 60 Prozent original.

Platz 4: Fahrt ins Paradies (1939)

Bei der „Fahrt ins Paradies“ schweben die Besucher über vier Hügel durch Berg und Tal. Dabei dreht es sich mit knapp 40 Stundenkilometern rasant schnell und macht mal so richtig Laune. 1939 wurde die „Fahrt ins Paradies“ gebaut und begeisterte seine Gäste mit schwindelerregenden, zuvor nie da gewesenen Drehungen. Dann aber befand sich das gute Stück fast 60 Jahre lang auf dem Abstellgleis in einem Schuppen und staubte vor sich hin. Erst 2003 entdeckte die Schaustellerfamilie Schleifer das gut erhaltene Holz-Karussell mit seinen 16 Waggons. Mit aufwendiger und liebevoller Restauration wurde die Berg- und Talbahn in den Folgejahren wieder aufpoliert, und seit 2010 ist sie auf der Oidn Wiesn wieder möglich: die Fahrt ins Paradies.

Platz 5: Calypso  (1966)

Da werden einige Erinnerungen wach: das Calypso, das sich mit seinen bunten Wagen rasant dreht und dabei den einen Schmetterlinge, den anderen ein flaues Gefühl in den Bauch zaubert. Beliebt  ist das Calypso bei Alt und Jung, heute wie damals. Das Calypso auf der Oidn Wiesn dreht sich seit 1966, doch musste es nach einem Unfall lange Zeit eingelagert werden. Anlässlich der Jubiläums-Wiesn wurde es 2010 aber wieder hervorgeholt und hat seitdem wieder seinen festen Platz auf der Oidn Wiesn. Allerdings ist hier nicht mehr ganz so viel original: die Rückwand wurde in den 90er Jahren ausgetauscht und von den zwölf bunten Wagen fährt nur noch ein einziger aus der Anfangszeit, alle anderen sind neu. Macht aber gar nichts - Musik, Flair und die Calypso-Fahrt versetzen den Gast zurück in die 60er und wecken wunderbare Erinnerungen. Das Calypso gibt es in moderner Variante übrigens auch auf dem eigentlichen Oktoberfestgelände: hier schleudert das Break Dance seine Fahrgäste durch die Lüfte.

Nostalgie auch auf der modernen Wiesn

Wer seine nostalgische Ader auch auf der „normalen“ Wiesn entdecken möchte, der kann auch hier schöne Traditions-Buden und Fahrgeschäfte bestaunen. Die meisten Fahrgeschäfte auf dem Oktoberfest haben ihren Ursprung im 19ten Jahrhundert und viele Schaustellerfamilien sind schon seit mehreren Generationen vertreten. Die Krinoline dreht bereits seit 1924 sanft und von Blasmusik begleitet ihre Runden. Ein Klassiker ist auch das Teufelsrad aus dem Jahr 1910. Nicht wegzudenken vom Oktoberfest ist das Traditionstheater „Auf geht’s beim Schichtl“, hier rollen bereits seit 1869 die Köpfe der Besucher.

Die alten Fahrgeschäfte und nostalgischen Buden machen die Wiesn erst zu dem, was sie ist: ein Volksfest mit großer Vergangenheit, lebendiger Geschichte und weltweit einzigartigem Flair.