Brauchtum im Trachtenverein

Auf dem Münchner Oktoberfest wird Tradition noch gelebt. Ganz besonders, wenn die Trachtenvereine aus ganz Bayern zusammen kommen und feierlich mit ihrem Einzug das Oktoberfest eröffnen. Mit dabei waren auch die Trachtler der Vereinigten Trachtenvereine im Berchtesgadener Land.

Neun Trachtenvereine gibt es im Berchtesgadener Talkessel, die sich 1928 zu den Vereinigten Trachtenvereinen im Berchtesgadener Land zusammengeschlossen haben. Ihr Vorsitzender ist Josef Wenig, Trachtler mit Leib und Seele: „Trachtenvereine sterben nicht aus. Wenn das einmal der Fall sein sollte, dann stirbt ein Stück Geschichte“. Stolze 1800 Mitglieder zählt die Trachten-Vereinigung, von jung bis alt pflegen und leben Generationen das bayerische Brauchtum. Vor allem die Jugendarbeit nimmt bei den Trachtenvereinen im Berchtesgadener Land eine große Rolle ein. „Wir haben kein Nachwuchsproblem, aber früher war es einfacher junge Leute für den Verein zu begeistern. Wer aber einmal hier anfängt, der ist und bleibt sein Leben lang ein Trachtler, bis er stirbt.“ sagt Wenig. Er sieht die Aufgabe des Trachtenvereins in der Pflege des Brauchtums und in der Bewahrung aller Sitten und Gebräuche nach Berchtesgadener Art.

Der Alltag eines Trachtlers

…ist natürlich wie jeder andere auch. Aber ein Trachtler muss schon etwas Zeit mitbringen und Leidenschaft für das bayerische Brauchtum haben. Wöchentlich werden Tänze und Vorführungen vorbereitet und die Jugend lernt das Schuhplatteln. Im Frühjahr wird verstärkt für die anstehende Sommersaison „trainiert“, das wunderschöne Berchtesgadener Land lockt nämlich viele Touristen an, die auch das bayerische Brauchtum kennenlernen möchten. Heimatabende und jede Menge Vorführungen werden organisiert. „Ein echter Trachtler macht das aber nicht nur wegen der Touristen. Ein echter Trachtler lebt nach dem kirchlichen Festtags-Kalender“ sagt Josef Wenig. Ostern, Pfingsten, Weihnachten – alle Feierlichkeiten der Gemeinde werden von Trachtenumzügen begleitet. Mitmachen kann jeder und aufgenommen wird auch jeder. Vorausgesetzt natürlich, dass ihm Brauchtum in seiner ganzen Vielfalt, Tracht und Geschichte genauso wichtig ist, wie auch den Einheimischen. „Auch Zugewanderte sind herzlich willkommen. Irgendwann lernt der dann auch bayrisch“ lacht Wenig.

Die Tracht im Berchtesgadener Land

Besonders stolz sind die Vereinigten Trachtenvereinen im Berchtesgadener Land auf ihre Tracht. Jeder Trachtenverein hat eine ganz spezielle Ausführung. Hergestellt werden die Trachten entweder bei der Schneiderin oder die „Weiberleit“ nähen selber. Der typische Rundscheibling, also der Hut, ist das markanteste Erkennungsmerkmal bei der Berchtesgadener Männertracht. Ein Gamsbart, ein Flaum oder ein Spielhahnstoß, auch Schiederhakl genannt, schmückt den Hut zusätzlich. Die Joppe der Männer ist licht- oder blaugrau, die Lederhose besteht aus hochwertigem Hirschleder. In der Kirche trägt man eine lange Hose und eine Art kurze Krawatte, das „Bindl“.  An den Hosenträger der Lederhose ist meist das Emblem des Trachtenvereins gestickt. 
Die „Weiberleit“ tragen ein fesches Dirndl. An der Farbe der Schürze ist zu erkennen welchem Trachtenverein sie angehören. Über dem Mieder wird ein Schultertuch getragen, typisch für das Berchtesgadener Land ist das Röschen-Muster. Verheiratete Frauen tragen einen Hut, meist zu festlichen Anlässen, dieser ist geschmückt mit einer Goldschnur und mit Quasten. Unverheiratete Frauen flechten ihr Haar zu einem Kranz. Zum Dirndl wird auch das „Hemad“ getragen, eine Strickjacke.


Die Vereinigten Trachtenvereine im Berchtesgadener Land auf dem Oktoberfest

200 Kilometer sind es von Berchtesgaden bis zum Oktoberfest. Trotzdem sind die Trachtler aus dem Talkessel gerne auf der Wiesn, am liebsten natürlich beim Trachten- und Schützenzug. 2012 durften die Berchtesgadener Trachtler mitschreiten und waren mit über 120 Männern und Frauen angereist. „Das war ein ganz wunderbares Erlebnis. Danach waren wir noch im Schottenhamel und haben schön gefeiert“ erinnert sich Josef Wenig. Gerne wären sie bald wieder mit dabei, doch gibt es jedes Jahr zahlreiche Bewerbungen. „Aber wir bleiben dran“ verspricht Wenig. Im letzten Jahr waren die Trachtler auf der Oidn Wiesn zu Besuch und begeisterten die Festzelt-Besucher einen Nachmittag lang im Festzelt Tradition mit Brauchtums-Tanz und Schuhplatteln. „Überhaupt ist die Oide Wiesn eine ganz gelungene Sache, da gibt es noch gelebtes Brauchtum.“
Wer die Berchtesgadener Trachtler auf der Oidn Wiesn erleben will, muss sich noch etwas gedulden. Oder aber er macht einen Ausflug in das atemberaubend schöne Berchtesgadener Land. Dort ist bayerisches Brauchtum bestens aufgehoben.