Oktoberfest - ein Fest der Landeshauptstadt München
Foto: Sebastian Lehner

Kleines Riesenrad (Russenrad)

Kleines Riesenrad: Ein Stück „Oide“ auf der „neuen“ Wiesn

Das Russenrad ist eine Münchner Institution. Das kleine Riesenrad steht nicht nur auf dem Oktoberfest, sondern auch auf der Auer Dult. Über 90 Jahre dreht sich das Fahrgeschäft schon – antike Konzertorgel und außergewöhnlicher Antrieb inklusive.

Das Besondere: Ein Stück Familiengeschichte auf der Wiesn

Seit 1925 steht die „Russische Schaukel“, so hieß das Fahrgeschäft ursprünglich, jedes Jahr viermal in München. Auf der Auer Dult feierte es damals Premiere, Josef Esterl war der Betreiber. Er ist der Großvater von Edith Simon und ihrem Bruder Herbert Koppenhöfer – die Geschwister betreiben das kleine Riesenrad in dritter Generation. Bis in 14 Meter Höhe geht es hinauf in einer der zwölf bunten Gondeln. Auf dem Mariahilfplatz reicht das für eine prima Aussicht, auf dem Oktoberfest gehört es eher zu den kleineren Fahrgeschäften. Zusammen mit der Krinoline verkörpert es ein wenig vom Flair der „Oidn Wiesn“, aber eben außerhalb dieser auf dem großen Festgelände. Zum Vergleich: Das große Riesenrad befördert die Fahrgäste bis auf 50 Meter hinauf.

Russenrad: Für Familien und für Freunde der Gemütlichkeit

Kinder werden meist von der alten, barock verzierten Notenorgel magisch angezogen. Die klimpert und scheppert so laut, dass sie selbst auf der ohnehin tumultigen Theresienwiese gut zu hören ist. Und die Großeltern freuen sich meist, den Enkelkindern eine Fahrt zu spendieren – saßen sie doch selbst oft schon als Kinder in dem Gefährt. Hinzu gesellen sich Freunde der eher gemütlichen Fahrgeschäfte, die sich nicht in die Höhe katapultieren, sondern lieber tragen lassen wollen. Und natürlich die Fans alter Musikinstrumente, deren Augen leuchten, wenn sie vor der verzierten 69 Bursens Tanzorgel stehen. Sie stammt aus Antwerpen und hat mit ihrem Baujahr 1924 auch schon fast 100 Jahre auf dem Buckel.

Russenrad für Gscheidhaferl: Antrieb aus Wasser und Salz

Manchmal wirkt es, als würden die einzelnen Gondeln nur so an den Zuschauern vorbeisausen. Dann hat Betreiber Herbert Koppenhöfer wohl die Elektroden zu tief ins Salzwasser getaucht. Denn: Der Antrieb des Russenrads funktioniert noch genauso wie vor fast 100 Jahren. In eine mit Wasser und Salz gefüllte Wanne werden per Kurbel Elektroden getaucht. Je tiefer sie sinken, desto schneller dreht sich der Antriebsmotor. Nach etwa zehn Runden kurbelt Koppenhöfer die Kontakte wieder heraus, der Motor wird langsamer und die Fahrt nimmt ein Ende.