Oktoberfest - ein Fest der Landeshauptstadt München
Foto: Sebastian Lehner

Das Dirndl

Die lange Geschichte einer besonderen Tracht

Heute gibt es Dirndl in allen Varianten. Die traditionellen Modelle, die überall in Bayern verbreitet sind, die Mini-Dirndl in Neonfarben, die vor allem Touristinnen vorenthalten sind und sogar exklusive Haute-Couture-Dirndl, bei denen es preislich keine Obergrenze gibt. Früher hingegen waren Dirndl reine Arbeitskleidung und mussten vor allem eines sein: praktisch.

Warum jede Frau im Dirndl gut aussieht

Das Dirndl ist kein Kleid wie alle anderen. Es steht für die Liebe zur Tradition, für Brauchtum und ein ganz besonderes Lebensgefühl. Und: Jede Frau schaut darin gut aus. Warum? Ein perfekt sitzendes Dirndl kaschiert „Problemzonen“, zaubert eine schöne Taille und sorgt für ein beeindruckendes Dekolleté, selbst bei Trägerinnen kleinerer Körbchengrößen. Kein Wunder also, dass das Dirndl so beliebt ist. Früher allerdings wurde das Trachtenkleid nicht wegen seiner optischen Vorzüge getragen, sondern aus anderen Gründen.

Die Geschichte: Heute Festtagsgewand, früher Arbeitskluft

Die Bezeichnung Dirndl leitet sich von dem Begriff „Diernen“ ab. So wurden im 19. Jahrhundert die Mägde bezeichnet, die auf den Bauernhöfen in Bayern und Österreich arbeiteten. Ihr typisches Arbeitsgewand sah so aus: Über das Hemd kam das „Leiblgwand“. Dieses kennen wir heute als Dirndlkleid. Über dem Kleid wurde eine Schürze getragen, die mit den edlen Modellen von heute wenig zu tun hatte. Statt Samt und Seide wurde in der damaligen Zeit Bettwäsche verwendet, um die Schürzen herzustellen. Hatte man Glück, war das Muster nicht völlig geschmacklos. Blumen- und Rankenmuster tauchten naturgemäß manchmal auf, aber die meisten Dirndlschürzen waren schlicht und einfarbig. „Ein Kleid, sie zu knechten“ — damals war es tatsächlich so. Anders als heute ging es mit dem Dirndl eben nicht auf die Wiesn oder zum Volksfest, sondern zum Saubermachen, zur Stallarbeit und aufs Feld.

Plötzlich Trend — das Dirndl kommt groß raus

Um 1930 erfuhr das Dirndl einen regelrechten Hype. Städterinnen, die zur Erholung in die Berge reisten, fanden Gefallen am „Look“ der Dienstmägde — natürlich standesgemäß aufgemotzt. Die Kitsch-Operette „Im weißen Rössl“ mit Theo Lingen trug ihr übriges zur neuen Popularität der Dirndl bei. Auch in den USA, wo „The White Horse“ am New Yorker Broadway ein Kassenschlager war und 223 Mal aufgeführt wurde, sorgte der Dirndl-Trend für Furore. Plötzlich war Tracht schick und wer modemäßig vorn dabei sein wollte, trug Kleider mit Trachtenelementen. Für die Sommervariante des Dirndls wurden Puffärmel, Schnürmieder und Schürzen übernommen. Bei der Wintervariante kamen wärmende Flanellstoffe in den Farben Lodengrün und Dunkelblau zum Einsatz.

Jede Dirndl-Region hat ihre Besonderheit

Damals wie heute gilt: Dirndl ist nicht gleich Dirndl. Von Region zu Region, von Ort zu Ort kamen im Laufe der Jahre verschiedene Besonderheiten dazu, die den individuellen Trachtenlook einzigartig und unverwechselbar machen. In Passau in Niederbayern beispielsweise gehört zur Tracht eine Goldhaube. Obwohl gar nicht weit weg von Passau, wird im beschaulichen Ort Hinterskirchen hingegen Wert auf andere Details gelegt. So tragen die Damen dort nicht nur blaue Kniestrümpfe, sondern zusätzlich ein Krönchen (Kranl) — letzteres aber nur, wenn sie noch nicht unter der Haube sind. Traditionsbewusste Dirndl-Trägerinnen in Oberbayern wiederum entscheiden sich als Accessoire meistens für das Kropfband. Am Ende ist der individuelle Trachten-Look immer eine Mischung aus Brauchtum und persönlichem Geschmack.