Oktoberfest - ein Fest der Landeshauptstadt München
Foto: Sebastian Lehner

Die Renaissance der Lederhose

Lederhosen-Wahnsinn: 3000 Stück in der Borstei

Manche sammeln Briefmarken, andere Kühlschrankmagneten oder Oldtimer. Der Münchner Herbert Lipah sammelt Lederhosen. Über 3000 Stück hat er im Angebot. Der Wahnsinn? Ja! Und zwar der „Lederhosen-Wahnsinn“.

Bei Wind und Wetter: Lederhose

Die Begeisterung für die Lederhose wurde Herbert Lipah sozusagen in die Wiege gelegt. In München-Pasing geboren, erinnert er sich, bis zum Alter von 15 Jahren eigentlich nichts anderes getragen zu haben. Und offenbar stand er mit seiner Vorliebe nicht allein da. Überall im Freundes- und Bekanntenkreis wurde die kurze Lederhose aus Rindsleder immer weiter vererbt, vom großen an den kleinen Bruder, von Nachbar zu Nachbar. Um das gute Stück auch im Winter tragen zu können, nähte die Oma lange Strümpfe, die man oben in der Lederhose einhängen konnte. Die Sechzigerjahre allerdings änderten alles — wenn auch nur vorübergehend. Jeans und Cordhose verdrängten die Lederhose kurzzeitig. Die Zeiten, in denen nur noch Besucher aus dem Oberland, die Trachtler und die Musiker in Lederhose auf die Wiesn gingen, kommen Herbert Lipah noch heute spanisch vor. Aber zu seinem Glück gab es in den Achtzigerjahren ein richtiges Lederhosen-Comeback.

Einfach mal auf dünne Hose machen

Heute betreibt Lipah seinen Laden „Lederhosen-Wahnsinn" in der Münchner Borstei. Hier hat er nicht nur über 3000 Lederhosen im Angebot, sondern auch jede Menge Trachten-Accessoires und historischen Schmuck, der Sammlerherzen garantiert höher schlagen lässt. In Lipahs privater Sammlung befinden sich bis zu 150 Jahre alte historische Lederhosen, darunter eine hauchdünne, feine Lederhose von Herzog Max von Bayern, dem Vater von Kaiserin Sissi, und eine ultrafeine, 320 Gramm leichte Lederhose, die König Ludwig II. getragen haben könnte. Den Startschuss für diese einzigartige Sammlung gab 1982 die Nachbarin, die Herbert Lipah dazu bewegen wollte, ihre Kellerschätze auf der Dult zu verkaufen und den Gewinn mit ihr zu teilen. Darunter war auch eine Lederhose, deren historischen Wert Lipah sofort erkannte. Und er sollte Recht behalten. „Und dann sehe ich an der Wand eine alte Lederhose hängen und habe sofort eine Gänsehaut bekommen, ich habe einfach etwas gespürt, die Hose hat mich angestrahlt. Ich wusste sofort, die ist an die 100 Jahre alt. Heute weiß ich, sie ist von 1880, die Hose hängt bei mir im Geschäft.“

Verkaufsgeschick vom ersten Tag an

Die Dult nutze Herbert Lipah dann anders als von der Nachbarin gedacht. Er machte seine Standbesucher darauf aufmerksam, dass er auf der Suche nach alten Lederhosen war. Nach einer Stunde brachte eine ältere Dame ihm ein getragenes Modell aus Hirschleder, die er nur kurze Zeit später gewinnbringend verkaufen konnte. Auf dieser Dult kaufte Lipah noch insgesamt 350 Lederhosen und brachte 128 direkt wieder an den Mann. Das Kassenbuch hat er heute noch — und die Leidenschaft blieb. Zu beinahe jeder Hose in seinem Geschäft hat er eine Geschichte zu erzählen. Gut also, wenn Besucher sich dafür etwas Zeit mitbringen, denn diese Geschichten gehören zur Firmenphilosophie und machen den Besuch des Ladens zu etwas Besonderem.

Wie viele Lederhosen braucht ein Mann?

Dazu hat Herbert Lipah eine klare Meinung. „Der braucht genau eine Hose, und wenn er mehr mag, dann kauft er sich halt noch eine oder mehr dazu. Und wenn er einen richtigen Lederhosen-Wahnsinn hat, dann siehst du ja, was dabei rauskommt: 2500 Lederhosen im Verkauf, 650 in der Sammlung und nochmal über 1000 im Lager.“ Seine Liebe zur Lederhose geht sogar so weit, dass er auch über Modesünden auf dem Oktoberfest großzügig hinweg sieht. Für ihn zählt das bunte Gesamtbild und die Tatsache, dass die Lederhose inzwischen wieder fester Bestandteil der Wiesn ist.

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