Oktoberfest - ein Fest der Landeshauptstadt München
Foto: Sebastian Lehner

Pfarrer Schießler: Wiesn-Bedienung aus Leidenschaft

Warum arbeitet ein Pfarrer auf dem Oktoberfest? Rainer Maria Schießler im Interview

Weil er die Wiesn genauso liebt wie seine Kirche, findet man den Münchner Pfarrer Rainer Maria Schießler jedes Jahr auf der Wiesn – und von 2006 bis 2012 sowie 2015 sogar täglich im Schottenhamel-Zelt als Bedienung. Sein Engagement ist auch gegenüber den Kollegen rekordverdächtig. Denn er kümmert sich bei 400 Angestellten um die moralische Unterstützung. Ein Interview aus seiner Zeit als Wiesn-Bedienung.

Was machen Sie auf der Wiesn und seit wann, Herr Pfarrer?

Im Jahr 2006 war ich auf einem Empfang der CSU und habe dort Herrn Schottenhamel kennengelernt. In diesem Kontext habe ich dann geäußert, dass ich auch einmal ganz gerne auf der Wiesn arbeiten würde. So wurde ich Bedienung im Schottenhamel-Zelt und gleichzeitig auch Seelsorger für die Kollegen auf der Wiesn. Das ist ja meine hauptberufliche Tätigkeit. Ich bin mit Sicherheit der erste Pfarrer, der als Wiesn-Bedienung arbeitet.

Wie machen Sie das neben Ihrer normalen Arbeit?

Ich nehme mir extra frei dafür und arbeite in meinem Urlaub. Anders geht es gar nicht.

Wie gefällt Ihnen die Arbeit auf der Wiesn?

Ich liebe die Arbeit auf dem Oktoberfest. Es ist eine echte Sucht. Privat gehe ich nie dort hin. Da muss man mich schon zwingen dazu. Die Arbeit auf der Wiesn ist aber das schönste, und deswegen komme ich jedes Jahr wieder.

Wie gut sind Sie schon mit den Kollegen befreundet?

Es gibt ungefähr 400 Mitarbeiter, die ich regelmäßig am Einschreibungstag wiedersehe. Von denen kenne ich bereits alle, weil ich für sie eine moralische Unterstützung bin und auch als persönlicher Seelsorger für alle Kollegen bereit stehe.

Wie viele Maßkrüge tragen Sie denn?

Mittlerweile sind es sogar 14 Maßkrüge. Zehn Krüge sind das Minimum. Die sind schon sehr schwer und am Abend schmerzt alles. Ich habe aber jetzt schon angefangen, für diese Wiesn zu trainieren.

Was machen Sie mit Ihrem Wiesn-Verdienst?

Der Wiesnverdienst bringt mir persönlich nicht viel und daher habe ich überlegt, was ich denn noch damit machen kann. So bin ich auf Lotti Latrous gekommen. Sie hat in den Elendsvierteln von Abidjan (Elfenbeinküste) ihre Centres d'Espoir eröffnet. Das sind Hilfseinrichtungen, in denen sie den Menschen in ihrem Elend hilft. Es ist für mich sehr wichtig, dass mein Geld für etwas Sinnvolles da ist.