Oktoberfest - ein Fest der Landeshauptstadt München
Foto: Sebastian Lehner

Autoscooter Distel

Autoscooter: Ein lauter und bunter Jugendtraum

Autoscooter sind ein Klassiker auf jedem Volksfest – auch auf der Wiesn. Hier drücken Eltern ihren Kindern erstmals ein Lenkrad in die Hand, und die etwas Älteren können die Oktoberfest-Bekanntschaft mit rasanten Manövern beeindrucken.

Das Besondere: Rammen ohne Reue

Autofahren ohne Führerschein, Karambolagen ohne Konsequenzen, keine Blitzer. Seit jeher üben Autoscooter auf Volksfesten eine magische Anziehungskraft aus – vor allem auf junge Menschen. Schließlich ist auf der rund 30 mal 15 Meter großen Fahrfläche vieles erlaubt, was im Straßenverkehr aus gutem Grund verboten ist. In Deutschland kurven seit 1926 die elektrisch betriebenen „Scooter“ übers Parkett, die ursprüngliche Idee kommt – wie so oft – aus den USA. Dort wollte man Anfang des 20. Jahrhunderts das Trendthema „Auto“ auch in die Vergnügungsparks tragen; auf Coney Island in New York gab es angeblich ab 1906 den ersten Vorfahren des heutigen Autoscooters zu bestaunen, dessen Wagen allerdings noch kollisionsfrei auf Schienen fuhren. 1938 kam dann Familie Distel mit ihrem Autoscooter auf die Wiesn, als damals erstes Fahrgeschäft dieser Art.

Autoscooter: Wilde Fahrt mit den Kindern oder dem Wiesnflirt

Allzu jung sollten die Fahrgäste im Autoscooter nicht sein, auch wenn das Anlegen der Anschnallgurte für Kinder verpflichtend ist. Schließlich geht es teils ruppig zur Sache, wenn die Fahrzeuge mit ihren ringsum laufenden Gummiringen aufeinander donnern. Häufiger als Eltern-Kind-Duos sieht man aber ohnehin junge Leute in den 30 kleinen Scootern herumsausen – entweder allein oder Arm in Arm mit der jüngsten Wiesnbekanntschaft. Vom Fahrbahnrand wird die wilde Fahrt von Freunden oder Bekannten lautstark kommentiert, und die Discomusik-Beschallung und das Farbgewitter aus rund 100.000 LED-Leuchten sorgen dafür, dass der Autoscooter ein beliebter Treffpunkt vor allem für die jüngere Generation ist. Quasi Disco und Fahrspaß in einem – und das ganz mit deutlich lockereren Alkoholgrenzwerten als im öffentlichen Straßenverkehr.

Für Gscheidhaferl: Als der Autoscooter automatisch wurde

Bis 1957 wurden die Chips erst an der Kasse gekauft und dann für jede neue Runde vom Scooter-Personal eingesammelt – so wie es heute auf kleineren Kinderkarussells noch der Fall ist. Dann führte der Krefelder Betreiber Bruno Tusch den „Automatic-Skooter“ ein. 1958 brachte Distel den Scooter mit Chip-Einwurfschlitz auch auf die Wiesn. Für die Betreiber heißt das: Weniger Personal und mehr gefahrene Runden pro Stunde und somit geringere Kosten bei höherem Umsatz.