Oktoberfest - ein Fest der Landeshauptstadt München
Foto: Sebastian Lehner

Lederhosen: vom Skandal beim Gottesdienst zum Must-have

Eine kleine Geschichte der Lederhose

Jeans haben ihre Geschichte, Shorts haben ihre Geschichte. Aber die Historie keines Beinkleides ist so spannend wie die der Lederhose. Verpönt, geliebt, verboten, angesagt. Die Lederhose hat im Laufe der Jahre schon so einiges mitgemacht. Grund genug für einen kleinen Exkurs in die Vergangenheit.

Aus Protest geboren: Der erste Trachtenverein

Es gibt endlos vieles, wofür oder wogegen man protestieren kann. Im Fall von Joseph Vogl waren es anno 1883 Lodenhosen. Diese Art von Hose ging dem „Sepp“ und seinen Stammtischbrüdern so dermaßen gegen den Strich, dass sie sich beim Schneider Modelle althergebrachter kurzer Lederhosen anfertigen ließen, die ihnen weitaus mehr zusagten. Da die Herren nur zu sechst waren und sie ihrem Anliegen mehr Wichtigkeit verleihen wollten, gründeten sie kurzer Hand einen Verein: den ersten Trachtenverein.

Halleluja! Mit Lederhose in die Kirche

Vogl und seine Freunde waren nicht bereit, sich durch „Nichtigkeiten“ wie die damals vorherrschende Etikette von ihrer modischen Mission abbringen zu lassen. Ihr Einsatz für die eigene Sache ging so weit, dass sie auch vor dem lederbehosten Besuch des Gottesdienstes nicht zurückschreckten. Das Echo fiel ziemlich eindeutig aus. Die Gemeinde überschüttete die sechs Aktivisten mit Hohn und Spott und auch die Kirche bezog sofort Stellung gegen das in ihren Augen völlig unpassende Beinkleid. Aber manchmal reicht eben ein Fan, wenn es nur der richtige ist. In diesem Fall war niemand geringeres als König Ludwig II. Der begeisterte Trachtenanhänger fand die Lederhosen-Idee so gut, dass er sie sogar in einem eigens aufgesetzten Schreiben wohlwollend erwähnte.

Das Revival der Lederhose

Auch andere Adelshäuser ließen sich von König Ludwigs Begeisterung für die ehemalige Arbeitshose der Bauern, Flößer und Senner anstecken und entdeckten die Lederhose neu für sich. Plötzlich posierten auch Herzog Max, der Vater von Kaiserin Elisabeth, Prinz Luitpold und zahlreiche andere Habsburger und Wittelsbacher auf der Jagd stolz in der Krachledernen. Und wie das nun mal so ist mit Trends: Plötzlich greifen sie um sich. Sommerfrischler, die zur Erholung in die Lederhosen-Gebiete kamen, trugen genauso zu ihrem neuen Boom bei wie die intellektuelle Elite des Landes, die sich plötzlich auch wieder in Lederhose zeigte. Und wo sie schon einmal zurück war, die Lederhose, konnte man sie ja auch gleich veredeln. Auf die Hosenträger kamen Edelweiß und Enzian, die Hosen wurden mit Eichen- oder Weinlaub bestickt. Den Sattel, also die Rückseite, zierten gerne Sinnsprüche oder das Konterfei Ludwigs II.

Jede Lederhose ist anders: Die Länge macht den Unterschied

Aber nicht nur, was die Designs angeht, herrscht bei der Lederhose eine beeindruckende Vielfalt, auch die Länge macht den Unterschied. Die erste Lederhose, bereits vom Ötzi, der weltberühmten Gletschermumie getragen, war lang. Mit der Kniebundhose fiel dann im 17. Jahrhundert etwas Stoff und machte den Blick frei auf stramme Männerwadln. Noch kürzer wurde es dann beim Modell, das Gebirgsjägern und Sennern die nötige Beinfreiheit bieten sollte. Den etwas anderen Schnitt hat die Stiefellederhose. Sie hat extra enge Hosenbeine, die an den Fesseln zugebunden werden. Und dann gibt es ja noch dieses eine Modell mit Spezialeffekt. Die Plattlerhose endet kurz über dem Knie und ihr Schnitt und Design erfüllen nur einen Zweck: Sie soll den Schlag mit der Hand beim Schuhplatteln lauter klingen lassen.

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